AnGedacht

 

Als sie in Bethlehem waren, kam die Zeit der Geburt heran. Maria gebar ihr erstes Kind, einen Sohn. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe, weil es im Haus keinen Platz für sie gab.
Lukas 2, Verse 6 - 1

 

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Homepage!

  

O du fröhliche, oh du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. So heißt es in einem der bekanntesten Weihnachtslieder. In vielen Gottesdiensten wird es an Weihnachten gesungen. In Heilige Familie läuten unsere Ministranten dazu die Schellen. In der Andreaskirche machen wir die Türen auf und läuten die Turmglocken. Und dann, so sagen viele Dietlinger, dann wird es für sie richtig Weihnachten. Schon immer ist das so!

Auch in diesem Jahr werden wir O du fröhliche singen, hören und vielleicht mehr denn je einstimmen in den großen Wunsch nach einer fröhlichen und gnadenbringenden Zeit. Gerade in diesem Jahr, in dem manch Wichtiges nicht so ist wie immer. Einiges, das für uns selbstverständlich und liebenswert war, ist im vergangenen Jahr verloren gegangen. Manches vorübergehend, anderes für immer. Vieles dessen, was uns das Jahr über Sorgen gemacht hat, hätten wir uns beim letzten Weihnachtsfest überhaupt noch nicht vorstellen können.

Welt ging verloren, singen wir an Weihnachten. Nichts macht uns mehr Angst als der Verlust dessen, was uns in der Welt das Gefühl gibt, zuhause und geborgen zu sein. Familie, Freunde, Arbeit, Gesundheit, Gemeinschaft, Feste des Lebens feiern können, meinen ganz normalen Alltag leben dürfen ohne Einschränkungen. All das hat heilende Kraft und gibt meinem Leben Sinn. Alle Vorstellungen, die sich Maria und Josef von der Geburt ihres ersten Kindes gemacht haben, wurden auf den Kopf gestellt. Weit weg sind Familie, Freunde und das eigene Dach über dem Kopf. In keinem Haus, so erzählt die Bibel, ist Platz für sie. Wie verloren sie sich gefühlt haben müssen? Aber all das ist nicht mehr wichtig, als die Wehen einsetzen und Maria ihren Sohn zur Welt bringt. Es ist ein besonderes Kind. Im Laufe seines Lebens wird der, der in einer erbärmlichen Behausung zu Welt kommt, vielen Menschen zum Zuhause.

Welt ging verloren, Christ ist geboren. Im Kinde Jesu Christi baut Gott uns sein Haus in dieser Welt. Kommen Sie, treten Sie ein. Sie sind herzlich willkommen.

In ökumenischer Verbundenheit wünschen wir Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und eine gnadenbringende Weihnachtszeit.

  

Ihre Pfarrerin Martina Lieb

 

 

Spuren des Glaubens in unserer Andreaskirche

Unsere Andreaskirche ist am Ende des 15. Jahrhunderts gebaut worden, also vor der Reformation. Das heißt: In unserer Kirche wurden am Anfang katholische Gottesdienste abgehalten und noch mehr: Hier wurde der christliche Glaube in seiner katholischen Gestalt gelebt. Und das hat Spuren hinterlassen. Dazu gehören vor allem die Bilder im Eingangsbereich, die zwar beschädigt und verblasst, aber gerade noch erkennbar sind. Schauen wir uns das größte Bild etwas näher an.

Ich habe mir diesen Frauenkopf einmal ausgeliehen. Jetzt wird die Sache klarer: Das ist eine Maria, die ihren Mantel hochhebt so dass eine Gruppe von Menschen, die anscheinend Schutz suchen, darunter schlüpfen können.

 

Fotomontage: Wolfgang Raupp

 

"Schutzmantelmadonna" nennt man solche Mariendarstellungen. Sie waren vom 12. bis zum 16. Jahrhundert sehr verbreitet. Im Mittelalter gab es unter anderem für die Kirche ein Schutzmantelrecht z. B. sie durfte einem Verfolgten Zuflucht gewähren.

Davon ausgehend hat man sich in der früheren Kirche vorgestellt: Wenn die Menschen Angst haben vor dem göttlichen Richter, dürfen sie unter den Schutzmantel der Maria schlüpfen. Dort werden sie vor Gericht und Strafen bewahrt.

Damit wird klar: Das ist eine Marienfrömmigkeit, gegen die die Reformation gekämpft hat. Denn unser Erlöser ist doch Jesus Christus! Maria ist ein sündiger Mensch genau wie wir und genauso erlösungsbedürftig. Jesus Christus ist der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch. Inzwischen hat auch die katholische Kirche erklärt, der Schutz, den Maria gewähren kann, sei so zu verstehen, dass es der Würde und Wirksamkeit Christi, des einzigen Mittlers, nichts abträgt und nichts hinzufügt." (Lumen Gentium)

Außerdem sollte, wer in einer Marienfrömmigkeit lebt, aber auch wer sie kritisiert, bedenken, dass mit dem Marienbild oft nicht nur eine bestimmte Frau dargestellt werden soll, sondern ein Symbol für die Kirche.

Anscheinend hat der Maler unserer Schutzmantelmadonna zeigen wollen, wie sich für ihn dieses Problem löst. Vor Maria steht auf seinem Bild (in der Kirche) noch jemand. Er blutet aus mehreren Wunden. Das ist der leidende Christus. Maria und die Leute unter ihrem Mantel gehen hinter ihm. Dass die Kirche zum Schutzmantel wird, geschieht nicht aus menschlicher Kraft, sondern in der Nachfolge. Der leidende Christus ist es, der schützend vor seiner Kirche steht.

Das Marienbild in unserer Kirche ist dann nicht nur eine Spur einer überholten, theologisch fragwürdigen Marienfrömmigkeit, sondern eine Spur der Arbeit an überlieferten Formen des Glaubens. Ob es sich lohnt eine solche alte Spur zu pflegen und ihr zu folgen? Diese Spur hat frühere Generationen dahin geführt, wo man den eigenen Glauben in einem neuen Licht sieht. Eine Verheißung wird sichtbar: Ihr seid Kirche. Das heißt: Christus steht vor euch und beschützt euch. In dieser Geborgenheit dürft ihr als Kirche leben. Und ihr dürft und sollt auch andere unter diesen Schutzmantel der Kirche einladen.

Wolfgang Raupp

  

 

Jahreslosung 2021

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!
Lukas, 6, Vers 36