11.01.2026 - Herzlichen Dank an den Kirchengemeinderat 2019 - 2025

Vom Hirten, der nicht nach Bethlehem gehen wollte - gekürzte Fassung der Legende, aus Werner Reiser - die drei Gaben:

Als sich die himmlischen Heerscharen wieder zurückgezogen hatten, herrschte unter den Hirten große Aufregung. Jeder wollte als erster der Spur nachgehen und das Kind auffinden. Die Hoffnung, endlich Gewissheit zu erhalten, trieb sie auf dem nächsten Weg nach Bethlehem.

Nur ein alter Hirte blieb zurück. Alle verheißenden Zurufe hatten nicht vermocht, ihn mitzureißen. Zwar war auch er mit den andern aufgesprungen, als sie plötzlich vom Licht überflutet worden waren. Aber bald hatte er sich wieder gefasst und vor sich hingebrummt: "Himmlische Trugbilder! Ich traue ihnen nicht mehr. Sie öffnen eine Tür, hinter der nichts ist und nichts geschieht!" Und er fühlte sich vollkommen bestätigt, als der Glanz wieder verschwunden war.

So blieb der alte Hirte zurück bei den Schafen. Aus der Ferne vernahm er die Stimmen seiner Gefährten, die sich schon dem Dorf näherten. Irgendwo öffnete sich eine Tür. Licht drang heraus und legte sich wie ein Streifen gegen den Rand des Feldes. Dann schloss sich die Tür wieder. Nun war es überall dunkel. Aber - da flackerte doch etwas hinter dem Rücken der Tiere in der Dornenhecke. Etwas zitterte in den Zweigen und Blättern, etwas Helles, das vorher nicht dagewesen war. Prüfend schaute der alte Hirte gegen das Dorf, ob von einem anderen Haus ein Strahl über das Feld geworfen worden sei. Aber nichts Derartiges zeigte sich. Langsam bewegte er sich gegen die Hecke und griff dann mit kräftiger Hand mitten hinein. Nichts war da. Nur dorniges Gestrüpp drang in seine Hand ein. Vorsichtig zog er sie zurück. "Hättest es dir doch denken können", warf er sich schimpfend vor: "Bist immer noch nicht klüger geworden. Wo du hingreifst, sind immer Dornen. Nur Tiere haben weiches Fell."

Aber während er noch die Dornen aus der Hand zog, sah er, wie es nebenan wieder flackerte. Der alte Hirte versuchte wieder, das Licht greifen zu können, aber es gelang ihm nicht. Er griff wieder nur ins dornige Gestrüpp: "Dornen und Licht, Licht und Dornen. Dornen im Licht, Licht unter Dornen. Warum nie nur Licht? Müssen so viele Dornen aufgefangen werden, bis das Licht wieder rein schwebt? Endet denn diese Hecke nie?" Auf einmal war das Licht weg. Der Hirte schaute um sich und sah die Dämmerung des Morgens. Von ferne hörte er das Blöken der Tiere und die Rufe der Gefährten, die zurückgekehrt waren. Sie schienen ihn zu suchen. Langsam ging er ihnen entgegen, müde, mit blutenden Händen. Voller Freude und Aufregung erzählten die Hirten, wie sie das Kind in der Krippe gesehen hatten und auf ihm das Licht lag. Der alte Hirte saß stumm daneben. Erst als die Nacht einbrach, regte er sich und spähte unruhig umher. Dann sprang er auf und rief: "Es ist wieder da. Seht ihr das Leuchten in der Hecke?" Verständnislos starrten sie ihm nach und sahen, wie er sich in den Dornen abmühte. ER ist wahnsinnig geworden, riefen sie einander zu und ihr alter Gefährte tat ihnen leid.

So vergingen einige Tage. In der vierten Nacht sah der alte Hirte das Leuchten wieder und es führte ihn in die Nähe der großen Schlucht. Während er ihm nachtastete, vernahm er Schritte. Sie kamen näher und hielten bei ihm an. Vor ihm stand ein Mann mit einer Frau auf einem Esel. Sie trug ein Kind auf den Armen. Der Mann flehte zu ihm: "Wir sind in Gefahr. Man will uns unser Kind nehmen. Wir kennen diese Gegend nicht. Kannst du uns den Weg zur ägyptischen Grenze zeigen? Du hast doch ein Licht bei dir." "Ein Licht?" stammelte der alte Hirte. "Ja", sagte der Mann. "Wir haben uns in der Dunkelheit nach deinem Licht gerichtet. Wir hofften, dass jemand uns helfen würde." Der alte Hirte drehte sich um. Vor seinen Füßen lag der Schein auf dem Weg, leuchtete über die Steine. "So kommt mit mir. Ich weiß den Weg durch die Schlucht." Er ging voran, dem Strahl nach. Sie folgten ihm. Sicher und langsam erklommen sie die gegenüberliegende Höhe. Dort hielt der Alte an. Er zeigte ihnen Spuren und sagte: "Nun könnt ihr den Weg nicht mehr verfehlen. in dieser Richtung führt der Weg zur Grenze. Bald wird es hell werden. Ich wünsche euch eine gute Reise." Der Mann und die Frau drückten die Hand des Alten: "Du hast unser Kind gerettet. In seinem Namen danken wir dir. Gesegnet seist du mit deinem Licht." Und sie schritten in den Morgen hi-nein und überquerten die Grenze. Der Hirte aber kehrte zu seinen schlafenden Gefährten zurück, die noch immer träumten von den Ereignissen jener Nacht.

  

Im Kind in der Krippe schenkt Gott uns das Licht der Welt. Dieses kleine Neugeborene ist Licht unserer Welt. Wer ihm nachfolgt, wird nicht durchs Dunkel laufen. Er oder sie hat das Licht des Lebens. So erzählt das die Bibel. Im Lauf der Geschichte entsteht aus den Menschen, die dieses neugeborene Licht sehen und manchmal mit Händen greifen können, die Kirche. Als Erwachsener sagt Jesus einmal zu allen, die in ihm das Licht sehen: Ihr seid das Licht der Welt. Licht sein ist seither ein Teil des Wesens all derer, die auf Christus, das Licht der Welt vertrauen. Licht in diesem Sinne sind wir aus Gottes Sicht, ganz egal wie hell wir uns fühlen oder wie sichtbar unser Licht für andere ist. Ihr seid das Licht der Welt, sagt Jesus zu uns.

Alle sechs Jahre suchen wir als Kirchengemeinde Menschen aus der Menge all derer, die Licht der Welt sind, und bitten Sie in besonderer Weise auf unser Dietlinger Kirchen- oder Gemeindelicht aufzupassen. Wir bitten sie, sich Gedanken zu machen, wohin wir als Gemeinde dieses Licht tragen müssen, dass es leuchtet, wo es gebraucht wird. Und wir beauftragen sie, das Gehäuse des Lichtes, also zum Beispiel die Laterne, so zusammenzusetzen, dass sie auch in Zukunft ein tragfähiges Zuhause für unser Licht der Welt sein kann.

Und ich möchte heute den Menschen danken, die in den vergangenen sechs Jahren auf unser Gemeindelicht aufgepasst haben: Verena Deckert, Andrea Mettel, Annemarie Riegsinger, Ursula Schlegel, Lukas Denzler, Eric Seiter, Harald Ulmer und Stefan Vetter.

 

Von links: Annemarie Riegsinger, Andrea Mettel, Harald Ulmer,
Urusla Schlegel, Verena Deckert, Stefan Vetter, Eric Seiter,
Lukas Denzler und Martina Lieb. Foto: Wiebke Ulmer  

  

In den vergangenen sechs Jahren Kirchengemeinderätin und Kirchengemeinderat zu sein, hieß manchmal dem alten Hirten gleich das Licht in den Dornenhecken zu suchen. Manche Finger sind dabei ziemlich wund geworden. Und dabei hat alles so gut angefangen mit einem Gottesdienst am 19. Januar 2020. Mitte Februar sind wir ein Wochenende nach Hohenwart gefahren und haben diverse Moderationskarten mit guten Ideen und Visionen gefüllt, Aufgaben und Zuständigkeiten geklärt und sind dann frohen Mutes und voller Elan in diese Amtszeit gestartet. Das änderte sich am 11. März 2020 mit dem Beginn der Corona-Pandemie. Über drei Jahre lang, offiziell bis Mai 2023, ist die Welt im Ausnahmezustand. Auch die Welt unserer Kirchengemeinde. Wie trägt man das Licht der Welt, das seinem Wesen nach da anfängt zu leuchten, wo zwei oder drei oder ganz viele in seinem Namen versammelt sind, wenn man sich nicht mehr versammeln soll und wenn, dann nur auf Abstand: zwei Meter gab die Landeskirche vor.

Drei Jahre lang habt Ihr mit sehr viel Herzblut, Verantwortungsbewusstsein, Kreativität aber vor allem Zeit versucht, das bestmögliche für unser Kirchenlicht herauszuholen. Mit Audio-Impulsen, Online-Gottesdiensten, einem Ostergruß im April 2020 und Frühlingsgrüßen im Mai 2020 und sehr vielem mehr habt ihr das Licht der Welt in manchmal ganz schön finstere Tage gestreut. Dann begannen wieder die ersten Gottesdienste mit gänzlich anderen Rahmenbedingungen. Ständiger Begleiter wurde das Erarbeiten eines Schutzkonzeptes für Trauerfeiern, dann für Gottesdienste, irgendwann für jede Gruppe und jeden Kreis extra. Auch kleinste Veranstaltungen gingen lange nur mit sehr großem Engagement des Kirchengemeinderates. Ein immens hoher zeitlicher Einsatz, der überhaupt nicht sichtbar war.

Neben dem großen Corona-Virus beschäftigte uns in der Andreaskirche im Juni 2020 auch der hartnäckige Holzwurm. Die Advents- und Weihnachtszeit wurde in den Corona-Jahren eine besondere Herausforderung, da es 2020 keine Gottesdienste geben durfte und 2021 nur im Freien. Mit viel Liebe entstand 2020 Hauszeit, ein Begleiter durch die Weihnachtszeit - mit Onlinekrippenspiel als Figurentheater, gesprochen von den Viertklässlern. 2021 haben wir mit großer Unterstützung des 1. FCD einen ökumenischen Weihnachtsgottesdienst auf dem Sportplatz gefeiert mit Krippenspiel des Jugendkreises.

  

  

Zu Ostern 2021 gibt es Hoffnung2go, einen Osterkreuzweg durch Dietlingen. Manches wird 2022 wieder normaler, eine Gruppe jedoch hat besonders unter den Folgen der Pandemie zu leiden: Kinder und Jugendliche. Der Kirchengemeinderat hat es sich zum Herzensprojekt gemacht, die Kinder- und Jugendarbeit besonders zu fördern. Es entstand unter anderem das Projekt: Investition in die Zukunft - wir fingen an, Spenden für eine Gemeindediakonenstelle für die Jugendarbeit zu sammeln, bauten ein Fundraisingteam auf, machten zugunsten des Projektes Sponsorenläufe, Nikolausmarktstand und sehr vieles mehr.

Im September 2022 traf sich die weltweite Ökumene in Karlsruhe und wir bekamen hier in Dietlingen Besuch von zwei Brüdern aus Taize, die mit uns Gottesdienst feierten.

Nach zwei Jahren Gottesdienst in veränderter Form stellte sich die Frage, wie wir unsere Gottesdienste feiern möchten, wenn wieder dauerhaft alles möglich ist. Manche coronabedingte Änderung war vielen ans Herz gewachsen. Mit einer Gottesdienstumfrage und vielen Überlegungen und Diskussionen, legten wir einen liturgischen Rahmen für Gottesdienste in der Andreaskirche fest, der bis heute gilt.

Nach Corona merkten wir, an wie vielen Stellen dauerhaft etwas abgebrochen oder ganz anders geworden ist. Was vor März 2020 selbstverständlich war, war es jetzt nicht mehr. Es galt auch hier wieder Ideen zu entwickeln, wie das neue Normal aussehen kann. Wo müssen wir Zeit und Kraft investieren, um etwas Altes wiederaufzubauen und wo braucht es ganz neue Ideen und Initiativen? Und von was verabschieden wir uns?

Drei Themen haben die KGR-Zeit nach Corona in besonderem Maß geprägt: Zum einen die Tatsache, dass an unseren Angeboten in der Kinder- und Jugendarbeit immer mehr Kinder mit Handicap teilnahmen. Das war der Anfang, aus dem heraus sich viele kleine und größere Ideen für inklusive Gemeindearbeit entwickelten. Da etwas Wachsen zu sehen, das hat uns gut getan.

Ein anderes Thema war der landeskirchliche Prozess Ekiba 2032. Und wieder einmal suchten wir das Licht in den Hecken. Ähnlich wie in der Coronazeit wurde der Kirchengemeinderat oft sehr angegangen für die Auswirkungen und Ergebnisse. Und dennoch habt Ihr eine kostbare Haltung eingenommen: Wir stimmen nicht ein in den Abgesang auf Kirche, wir gestalten für die Ekidi das, was wir absehen können, frohen Mutes für die Menschen, die uns brauchen. Im Vertrauen darauf, dass unser kirchliches Licht ein anderer in Händen hält und behutsam durch die Zeit trägt.

Ihr habt das sehr besonders und gut gemacht und ich danke Euch von Herzen. Danke für Eurer Engagement, Eure Zeit, Eure Ideen, Euer Durchhaltevermögen, Euer Frustrationspolster, Eure Nerven. Danke für jeden von Euch. Ihr habt Euch als Abschiedsgeschenk ein Krimidinner gewünscht, das wir im November begangen haben. Uschi und Annemarie waren leider krank bzw. verhindert. Euch allen möchte ich aber noch etwas mitgeben: Eine große Laterne - Danke, dass ihr auf unser Kirchenlicht aufgepasst und es getragen habt in den letzten sechs Jahren. Ich wünsche jeder und jedem von Euch, dass der, der Licht unserer Welt ist, Euer Leben bescheine und reich segne.

Martina Lieb