Musikalische Adventsandacht

Mit einer musikalischen Adventsandacht feiern wir leise den 200. Geburtstag unserer Orgel. Wie so viele Geburtstagskinder dieses Jahr muss auch unsere Orgel ohne Gäste feiern. Aufgrund der aktuellen Situation ist die Adventsandacht nur anzuhören. Entweder hier auf unserer Homepage oder wenn Sie die Andacht auf CD anhören möchten, dann rufen Sie im Pfarramt unter Telefon: 07236 / 98 02 44 an.

 

  

Dietrich Buxtehude (1637 - 1707)
Präludium, Fuge und Ciacona C-Dur

Begrüßung und Lesung

Johann Gottfried Walther (1684 - 1748)
"Nun komm, der Heiden Heiland" (Drei Verse)

Gedanken zu "Nun komm, der Heiden Heiland"

Johann Christoph Bach (1642 - 1703)
Delphin Strungk (1601 - 1694)
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)
Drei Bearbeitungen über "Meine Seele erhebt den Herren"

Gebet

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847)
Sonate II c-Moll/C-Dur
Grave - Adagio - Allegro maestoso e vivace - Fuga Allegro moderato
 

Lothar Stängle, Orgel
Martina Lieb, Gedanken

 

 

200 Jahre - Stieffel-Orgel

Unsere Orgel in der Andreaskirche feiert im Jahr 2021 ihren 200. Geburtstag. Die Stieffel-Orgel hat in diesen zwei Jahrhunderten schon vieles erlebt und wurde mehrfach umgebaut und stand auch an verschiedenen Orten in der Andreaskirche.

Über das gesamte Jahr sind Konzerte, Andachten und andere musikalische Veranstaltungen geplant, die die Vielfalt der Orgelmusik zeigen wollen.

Diese Sonderseite wird regelmäßig mit Berichten und Informationen zur Geschichte und den musikalischen Veranstaltungen erweitert. Schauen Sie einfach ab und zu wieder vorbei.

 

 

Chronik der Dietlinger Orgeln

Die Dietlinger Dorfchronik von Gustav Rommel aus dem Jahr 1925 geht im Anschluss an eine Beschreibung des Chorraums der Andreaskirche auch auf die Geschichte unserer Orgel ein:

"… Die Schönheit des Chores mit seinem Netzgewölbe kommt jedoch nicht zur Wirkung, weil die Orgel den ganzen Raum ausfüllt. Schon im 17. Jahrhundert hatte Dietlingen eine Orgel, die im Chor stand. Sie war 1739 so unbrauchbar, daß das Gestell abgebrochen wurde. Im Jahr 1748 erhielt die Kirche dann eine neue Orgel mit 6 Registern, die von Christoph Müller, ehemals in Pforzheim, dann in Unterriexingen, geliefert und aufgestellt wurde. Ihr Preis betrug 160 fl. Drei weitere Register baute im Jahr 1785 der Orgelmacher Stein von Durlach für 145 fl. in die Orgel ein, doch war das Instrument im Jahr 1819 nicht mehr gebrauchsfähig und die Gemeinde schaffte wieder eine neue Orgel an. Die Hoforgelbauer Gebrüder Stiefel von Rastatt lieferten für 1450 fl. im Jahr 1821 die heutige Orgel mit 13 Registern und nahmen die alte dabei in Zahlung.

1785 schon und wieder bei Anschaffung der neuen Orgel erwog man ihre anderweitige Aufstellung, etwa im Turmgeschoß oder auf der Seite des Langhauses, um den Chor frei zu bekommen, aber das Vorhaben wurde bedauerlicherweise nie durchgeführt. Hoffentlich geschieht dies bald, denn die Kirche würde fraglos durch die Freilegung des Chores bedeutend gewinnen."

1957 war es dann soweit. Im Zuge des Umbaus und der Erweiterung der Kirche wurde die Orgel auf der erweiterten Empore über dem Westeingang aufgestellt.

 

 

Geschichte der heutigen Orgel

Im Jahr 1820 - also vor genau 200 Jahren - wurde der Auftrag zum Bau einer neuen Orgel für die Dietlinger Andreaskirche erteilt. 1821 wurde die Orgel auf einer Holzempore im Chorraum aufgestellt.

Die Überlegungen und Planungen zum Bau dieser Orgel haben viele Jahre in Anspruch genommen. Insbesondere die Finanzierung machte Kopfzerbrechen. Eine Aktennotiz vom 5. Januar 1805 macht dies deutlich:

"Heute wurde vor versammelter Gemeinde wegen Anschaffung einer neuen Orgel Umfrage gehalten, ob nicht durch Umlage in Zeit von 8 Jahren die Sache bewirkt werden könnte, wenn von jedem Bürger jährlich nur 30 fl. beigetragen würden.

Diejenigen Bürger welche mit diesem Vorschlag zufrieden sind können sich hier unterschreiben."

Es folgen 145 Unterschriften von Dietlinger Bürgern, beginnend mit Schultheiß Eberle.

Erst am 1. Mai 1820 teilt die Kirchengemeinde dem Dekanat mit, dass mit den Herren Hoforgelbauern Gebrüder Stieffel aus Rastatt ein "Accord" (Übereinkommen) über eine neue Orgel für die hiesige Kirche abgeschlossen wird und bittet um Genehmigung. Aber offensichtlich konnten nicht alle Bürger die beschlossene Bürgerumlage aufbringen, weshalb der Umfang der Orgel von ursprünglich 16 geplanten Registern auf 13 Register reduziert werden musste. Die Orgel kostete 1450 fl (Florentiner Gulden), zuzüglich wurde die alte Orgel in Zahlung gegeben.

Die Orgel hatte folgende Disposition:

Hauptwerk (C – f´´´)
Prinzipal 8´
Prestant 4´
Cornett 5f. ab c´
Coppel 8´
Floet 4´
Quint 2 2/3´
Oktav 2´
Mixtur 4f. 1 1/3´
Solicional 8´
Cromhorn 8´

Pedal (C – d)
Subbaß 16´
Oktavbaß 8´
Posaunbaß 8´  

Die Pedalklaviatur hatte nur 15 Tasten, das sind halb so viele wie heute. Eine Pedalkoppel gab es nicht.

Die Orgelbauer Gebrüder Stieffel mussten im Jahr 1860 ihren Betrieb aufgeben. 1881 kam es zum Abschluss eines Vertrages über eine Reparatur sowie die jährliche Unterhaltung und Stimmung mit der Orgelfabrik L. Voit & Sohn in Durlach.

Bereits 1892 wird die bis dahin offensichtlich wenig gepflegte Orgel in einem Begehungsbericht des Orgelbaucomissärs Andreas Barner aus Karlsruhe als "sehr alt und schlecht" beschrieben. Notwendige Instandsetzungsarbeiten wurden aber offensichtlich nicht vergeben.

1917 wurde im Amtlichen Verkündigungsblatt des Großherzoglich Badischen Amts- und Amtsgerichtsbezirks Karlsruhe angeordnet, dass Prospektpfeifen aus Zinn von Orgeln (also alle Pfeifen, die in der Orgel sichtbar ganz vorne stehen) zu Kriegszwecken abzugeben sind. Dieses Schicksal widerfuhr auch der Dietlinger Orgel. Am 23. Mai 1917 wurden die Pfeifen ausgebaut. Insgesamt waren es 133 kg Zinnpfeifen, welche am 8. Oktober 1917 bei der Sammelstelle des Großherzoglichen Bezirksamts in Pforzheim abgeliefert wurden.

Vom 23. Januar 1919 existiert ein Angebot der Firma Voit über Ausreinigung und Instandsetzung sowie über den Ersatz der beschlagnahmten Prospektpfeifen in einer minderwertigeren Zinklegierung. Das höherwertigere Zinn war in der Nachkriegszeit nicht zu bekommen. Ferner wird darauf hingewiesen, dass die Zungenregister Krummhorn 8´und Posaunbass 8´nicht mehr instand gesetzt werden können. Sie wurden bereits in einem Angebot von 1914 als "sehr verbraucht" bezeichnet.

1924 Abschluss eines Instandhaltungsvertrags mit Orgelbauer Alfred Staudinger aus Durlach. Die Firma Voit war nach dem Ersten Weltkrieg aus Mangel an Mitarbeitern nicht mehr sehr leistungsfähig und gab 1932 den Betrieb auf.

1933 wurde die Kirche saniert, die Orgel musste vorübergehend teilweise ausgebaut werden.

In einem Begehungsbericht des Orgelsachverständigen der Landeskirche Wilhelm Rumpf vom 18.1.1937 ist zu lesen: "… Die Orgel der evang. Kirche in Dietlingen war vor 100 Jahren ein sehr schönes, künstlerisch wertvolles und reich besetztes Orgelwerk. Der Orgelbauer muß ein hervorragender Meister gewesen sein, denn die Intonation und ursprüngliche Disposition ist schlechthin vollkommen gewesen. Im Laufe der Zeit aber blieb von der Herrlichkeit nicht mehr viel übrig. Heute ist diese Orgel nur mehr als Ruine zu bezeichnen …"

1938 erfolgte dann der Bau einer neuen Orgel durch die Firma Walcker aus Steinsfurt unter Wiederverwendung eines Großteils der Stieffel´schen Orgelteile. Die Holzempore im Chorraum wurde abgebrochen und die neue Orgel auf dem Boden des Chorraums an der Rückwand aufgestellt. Sie wurde auf 2 Manuale und Pedal erweitert und bekam 20 Register, wurde auf elektrischen Betrieb umgebaut und mit einem freistehendem Spieltisch auf der rechten Seite des Chorraums versehen.

Lange hielt die Freude der Dietlinger über das neue Instrument aber nicht. Denn schon am 28.12.1954 wird in einem Begehungsbericht des Orgelsachverständigen Wilhelm Rumpf über aufgetretene Feuchtigkeitsschäden an der Orgel von der Chorraumwand berichtet.

Schließlich bekam die Orgel 1957 nach Umbau und Erweiterung der Kirche ihren Platz auf der erweiterten Empore über dem Westeingang bei unveränderter Disposition.

Aber nicht nur die Feuchtigkeit hatte der Orgel von 1938 zugesetzt. Auch die neue Technik mit elektrischem Strom anstelle der Tretbälge hatte sich nicht bewährt. Der landeskirchliche Orgelsachverständige Trötschel trifft in einem Begehungsbericht vom 9.2.1976 die Feststellung, dass die Orgel in Dietlingen ein "hochinteressantes Instrument" ist, das ursprünglich von der Firma Stieffel stammt (was zwischenzeitlich in Vergessenheit geriet) und von dieser Orgel noch wesentliche Teile vorhanden sind. Die Orgel könne jedoch in ihrer technischen Anlage aus dem Jahr 1957 nicht erhalten werden.

Und so kam es 1978 zur Wiederherstellung der ursprünglichen Orgel von Stieffel unter Verwendung der noch vorhandenen originalen Substanz sowie der Erweiterung um ein Rückpositiv im Stil der Firma Stieffel durch die Orgelbaufirma Vleugels aus Hardheim.

Seit 1998 betreut die Firma Joachim Popp aus Walldürn-Altheim das Instrument. Und ich wage die Prognose, dass es bei weiterhin guter Pflege weitere 200 Jahre seinen Dienst tun kann "zur Ehre Gottes und Recreation des Gemüths" (Johann Sebastian Bach).

 

 

Die Orgelbauerfamilie Stieffell

Als Markgraf August Georg von Baden um 1760 den jungen Orgelbauer Ferdinand Stieffell aus Würzburg in die baden-badischen Lande berief, war nicht vorauszusehen, dass der Meister samt seinen Söhnen das Land am Oberrhein mit einer Fülle neuer Orgeln segnen würde, die in handwerklicher, klanglicher und künstlerischer Ausführung den Instrumenten der berühmten Straßburger Orgelmacher Andreas und Johann Andreas Silbermann nicht nachstehen sollten.

Ferdinand Stieffell (Stiefel, Stieffel, Stiefell) wurde 1737 in Würzburg geboren, kam 1751 zu seinem Vetter Johann Conrad Prandenstein nach Regensburg in die Lehre und erhielt im Jahre 1756 seinen „Lehr-Brief“. Nach absolvierter Lehrzeit arbeitete er als Geselle bei dem ebenfalls ins badische Land berufenen Orgelbauer Johann Ignaz Seuffert (gest. 1809) aus Würzburg in Offenburg. ...

Wann Stieffell sich in Rastatt selbständig machte, ist mangels urkundlicher Belege nicht einwandfrei zu klären. Dennoch erlauben uns einige seiner Arbeiten eine annähernde Datierung: 1767 reparierte er als "Orgelbauer in Rastatt" die Orgel in Niederschopfheim, den Orgelaccord in Ettenheim unterzeichnete er am 9. Januar 1772 als "Ferdinand Stieffel burger und orgelmacher in Rastatt" und sein Haus in der Rastatter Kaiserstraße Nr. 61 kaufte er 1774. Möglicherweise erfolgte seine endgültige Etablierung in Rastatt 1771 und fiel damit zeitlich mit der Vereinigung der beiden badischen Markgrafschaften zusammen.

Ebenfalls aus Würzburg stammte Franz Schädel, Stieffells Schreiner und Taufpate sämtlicher Nachkommen.

Die prachtvollen Orgelgehäuse zu Ettenheim, Endingen, Reichshoffen i. E., Lauterburg i. E., Langensteinbach Liedolsheim, Baden-Baden Spitalkirche und Schwerzen zeugen von Schädels großer Begabung, die derjenigen seines Meisters Ferdinand durchaus kongenial war.

1777/1780 arbeitete Johann Michael Stiehr (1750 bis 14.3.1829) aus Kürnach bei Würzburg, der Stammvater der Orgelbauerfamilie Stiehr in Seltz i. E., als Werkmeister bei Stieffell. Stiehr scheint der einzige fremde Orgelbauergeselle in Stieffells Atelier gewesen zu sein, denn nach Ferdinands Tod am 23.3.1818 führten seine drei Söhne den Betrieb bis 1861 alleine weiter. Somit bestand die Stieffellsche Werkstätte in Rastatt etwa 90 Jahre.

1785, beim Bau der Karlsruhe Schloßkirchenorgel, wurde Ferdinand die fürstliche Gnade zuteil, den Titel "Hoforgelmacher" führen zu dürfen, der nach des Orgelmachers Tode seinen drei Söhnen übertragen wurde.

Die Tauf- und Sterbebücher zu St. Alexander in Rastatt vermitteln uns die Namen und Lebensdaten der Söhne:

Franz Lorenz - 10.8.1781 bis 20.1.1835
Christian Valentin - 4.12.1787 bis 5.10.1861
Max Ulrich - 12.10.1790 bis 16.3.1860

Um 1810 hatten sie ausgelernt, wirkten tatkräftig im Betrieb mit und entlasteten ihren kränklichen Vater.

Nach Auskunft der Akten sollte Ferdinand 1811 die in Michelbach stehende Orgel des Durlacher Orgelmachers Ludwig Burgy besichtigen, aber das Stadtamt Rastatt musste dem "Direktorium des Murg-Kreises" melden, dass "Stieffel bettliegerig krank" gewesen sei ...

"Obschon er wieder etwas besser sich befinde, so könne er dennoch seines hohen Alters und daher rührender Kränklichkeit wegen nicht versprechen, je wieder eine derartige Reise zu machen, und er bitte ihn damit in Zukunft gnädigst zu verschonen."

Hier erfahren wir sowohl von des Meisters Krankheit als auch von seiner Gutachtertätigkeit. Anstelle des kränklichen Vaters übernahm in der Folgezeit Franz diese Arbeiten, der 1813 im Namen seines Vaters ein Gutachten über die aus dem Jahre 1765 stammende Orgel aus Lichtenau abgab. Franz fiel nach Ferdinands Ableben die Aufgabe zu, das Geschäft, welches nun unter der Bezeichnung "Gebrüder Stieffell" firmierte, weiterzuführen.

Die Stieffell waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts anerkannte Autoritäten auf dem Gebiet des badischen Orgelbaues. Nicht nur ihre Arbeiten brachten ihnen von den Orgelbauexperten hohes Lob ein, sondern sie hatten zugleich auch als führende Meister in badischen Landen jüngere Kollegen im Hinblick auf fachliche Qualifizierung zu prüfen und Orgeln ihrer Konkurrenten abzunehmen und zu begutachten.

1860 war der letzte noch lebende Sproß dieser bedeutenden Orgelbauerdynastie, Christian Stieffell, gesundheitlich nicht mehr in der Lage, Orgeln zu erbauen oder zu stimmen, wie er selbst am 28.4.1761 nach Ichenheim schrieb:

"... Der Orgelbauer Max Stieffell starb voriges Jahr den 16. März 1860 und der hinterlassene Bruder ist alt und kränklich, welcher nicht mehr zu Diensten stehen kann, wollen sie sich an einen Freiburger werden ... Christian Stieffell."

Wohl kurz vor seinem Tode hat Christian in Rastatt eine Stiftung für Dienstboten gemacht. Er war der letzte der der klassischen Orgelbautradition am Oberrhein verpflichteten Meister, nach seinem Tod wurde eine neue, "moderne" Orgelbauergeneration in Baden tätig.

Bernd Sulzmann, Ettenheim

 

 

Übersicht Veranstaltungen

Nachfolgend eine Übersicht über die geplanten Veranstaltungen zum Orgeljubiläum in der Dietlinger Andreaskirche. Wie und in welchem Umfang diese stattfinden, können wir aktuell leider nicht sagen. Bitte beachten Sie die Hinweise kurz vor den Veranstaltungen hier auf der Homepage.

 

20. Dezember 2020 / 4. Advent
Musikalische Adventsandacht - Online
Orgel: Lothar Stängle
(Evangelische Kirchengemeinde Keltern-Dietlingen)
Lesung: Martina Lieb
 

24. Januar 2021 / 3. Sonntag nach Epiphanias
Themengottesdienst mit Dekan Christoph Glimpel
 

7. Februar 2021 / Sexagesimae
Heiter bis rauschend - Orgelkonzert zum Fasching
Orgel: Bezirkskantor Johannes Blomenkamp
(Evangelische Kirche in Karlsruhe)
 

2. April 2021 / Karfreitag
30 Minuten Orgelmusik zur Sterbestunde
Orgel: Lothar Stängle
(Evangelische Kirchengemeinde Keltern-Dietlingen)
 

Genauer Termin noch offen
"Die Bremer Stadtmusikanten" - Orgelmärchen für Kinder
Orgel: Halina und Ulrich Hauser
(Evangelische Kirchengemeinde Keltern-Ellmendingen)
 

20. Juni 2021 / 3. Sonntag nach Trinitatis
Orgelkonzert
Orgel: Bezirkskantor Wolfgang Bürck
(Kirchenbezirk Badischer Enzkreis)
 

17. Oktober 2021 / 20. Sonntag nach Trinitatis
Orgelkonzert
Orgel: Peter Gortner
(Christuskirche in Karlsruhe)  

 

 

Geschichte der Orgel

Die Kunst der Orgelmusik ist wie keine andere geeignet, uns Menschen den Himmel zu öffnen.
Angela Merkel

Die Orgel - das Instrument mit dem längsten Atem der Welt - wurde bereits im 3. Jahrhundert vor Christus erfunden. Sie kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Denn lange bevor sie den christlichen Gottesdienst mit ihrem Klang erfüllte, war das Spiel auf ihren Tasten zeitweise sogar eine olympische Disziplin. Später nutzten die Römer das Pfeifeninstrument u. a. bei Ein- und Auszügen des Imperators oder während religiöser Handlungen; es wurde sogar zur Zeit der Christenverfolgung bei kultähnlichen Massenveranstaltungen in Zirkusarenen eingesetzt.

Die Orgel war zunächst Symbol für weltliche und geistliche Prachtentfaltung. Seit der Gotik und hauptsächlich der Renaissance entwickelte sich die Orgel zum Hauptinstrument der kirchlichen Liturgie und inspirierte zeitgenössische Komponisten zu musikalischen Glanzleistungen.

Musiker aller Zeiten hoben die Orgel als "Königin der Instrumente" (Wolfgang Amadeus Mozart) auf den Thron. Vielleicht deshalb, weil ihr ungewöhnlicher Klang die nicht fassbare Dimension des Unendlichen hörbar macht.

Über Jahrhunderte hinweg war die Orgel das einzige Instrument, dessen Tonumfang dem Hörspektrum des Menschen entsprach. Kein anderes akustisches Instrument kann tiefere oder höhere Töne erzeugen, ist Einzelstimme und Orchester in einem. Berührt es deshalb so tief in der Seele und regt die Sinne an?

Die Menschen hatten und haben gute Gründe, die Orgel zur Ehre und zum Lobe Gottes einzusetzen. Mit ihren vielen Registern, von der zarten Flöte bis zur schmetternden Posaunenstimme, will sie ein Gleichnis sein für die "vieltausend mal tausend Stimmen", in denen nach der Vision der Bibel alle Kreatur den Schöpfer lobt.

 

 

Orgelbau und Orgelmusik:
Immaterielles Kulturerbe der Menschheit

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt von Kulturformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Über 390 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt sind derzeit von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt, darunter der Tango aus Argentinien und Uruguay, die traditionelle chinesische Medizin und die italienische Geigenbaukunst. Bis heute sind über 175 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat. Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Formen Immateriellen Kulturerbes sind entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Sie sind Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, vermitteln Identität und Kontinuität. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben und immer wieder neu gestaltet.

Im Dezember 2017 hat die UNESCO auch Orgelbau und Orgelmusik als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. 400 handwerkliche Orgelbaubetriebe mit etwa 2.800 Mitarbeitern, 180 Lehrlingen sowie 3.500 hauptamtlichen und zehntausenden ehrenamtlichen Organisten prägen das Handwerk und die Kunst des Orgelbaus und der Orgelmusik in Deutschland. Ungefähr 50.000 Orgeln sind derzeit hierzulande im Einsatz.

Prof. Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission: "Jede Orgel ist ein Unikat, weil sie einzig für den architektonischen Raum erbaut wird, in dem sie erklingen soll. Das für den Orgelbau und die Orgelmusik notwendige hochspezialisierte Wissen und die besonderen Fertigkeiten wurden von Handwerkern, Komponisten und Musikern über Jahrtausende entwickelt. Die Orgelkultur ist eine traditionelle Kulturform, die in Deutschland eine wichtige Basis hat. Zahlreiche lokal- und regionalspezifische Orgelbaustile, vielfältige Kompositionen und Aufführungsformen sowie Ausbildungsmöglichkeiten an Hochschulen und kirchlichen Einrichtungen zeigen, wie lebendig die Kultur des Orgelbaus und der Orgelmusik hierzulande ist. Die beteiligten Akteure demonstrieren täglich in beeindruckender Weise, wie Tradition und Innovation im Einklang gelingen können". 

Schließlich ist noch anzumerken, dass die Konferenz der Landesmusikräte in Deutschland die Orgel zum "Instrument des Jahres 2021" gewählt hat.

 

 

Zitate über die Orgel

"Die Orgel ist den Hörenden eine behutsame Predigerin und Missionarin, die tiefer in das Geheimnis Gottes hineinführen kann."
Karl Lehmann, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz

"Kunstvoll vorgetragene Orgelmusik kann uns helfen, das Lastende aufzubrechen und das Frohe zu bestärken. Die Orgel ist der wortlose, aber tonreiche Begleiter unserer Feste. Sie ist Symbol unseres Glaubens an das Himmelreich mitten unter uns. Mit jedem Ton singt und sagt sie: Meine Stärke und mein Lied ist der Herr (Psalm 118, Vers 14)." 
Erzbischof Karl Braun, Bamberg

"Kein anderes Instrument bietet so viel Kosmos."
Antje Vollmer, Politikerin und Theologin

"Die Orgel ist ein wunderbarer, sehr menschlicher und daher nicht wegzudenkender Träger der christlichen Botschaft."
Egidius Braun, ehemaliger Präsident des Deutschen Fußballbunds

"Die spirituelle Dimension der Orgel trägt in sich die Kraft, Musik als Spiegel kosmischer Weisheit zu vermitteln und somit den menschlichen Weg in die Freiheit stützend zu begleiten."
Wolfram Graf, Komponist

"Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren."
Charles-Marie Widor, Organist und Komponist

"Die Musik allein die Tränen abwischet, wenn nichts anderes mehr hilfreich will sein."
Inschrift auf einer Orgel aus dem 18. Jahrhundert

"Die Orgel wird seit alters und zu Recht als die Königin der Instrumente bezeichnet, weil sie alle Töne der Schöpfung aufnimmt und die Fülle des menschlichen Empfindens zum Schwingen bringt."
Papst Benedikt XVI. bei der Weihe der neuen Orgel in der Regensburger Stiftskirche Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle  

"Die Kunst der Orgelmusik ist wie keine andere geeignet, uns Menschen den Himmel zu öffnen." 
Angela Merkel, Bundeskanzlerin

"Ich schätze die Orgel als eines der vornehmsten Instrumente."
Werner G. Seifert, Deutsche Börse AG, Vorsitzender des Vorstands 

"Kirchenraum und Orgel gehören für mich zusammen. Denn gute Orgelmusik ist immer auch eine besondere Form des Gottesdienstes." 
Hans Tietmeyer, Präsident der Deutschen Bundesbank

"Die Königin der Instrumente zusammen mit den Posaunen des Herrn - Vorboten der Himmelschöre!"
Holger Gehrke, Leitender Obmann des Ev. Posaunendienstes in Deutschland

"Ich lasse mich nach wie vor von der Klangfülle dieses herrlichen Instrumentes gefangen nehmen, das wie kein anderes über die Ohren das Innerste der Menschen zu berühren vermag."
Johannes Rau, Ehemaliger Bundespräsident

"Ist die Orgel nicht auch ein gutes Bild für die Kirche: mit der Vielfalt ihrer Stimmen und ihrer Fähigkeit, Dissonanzen aufzutürmen und sie doch endlich zu versöhnen?"
Manfred Kock, Ehemaliger Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

"Mich persönlich hat dieses Instrument mein geistiges Licht finden lassen".
Theo Brandmüller, Komponist

"Die spirituelle Dimension der Orgel trägt in sich die Kraft, Musik als Spiegel kosmischer Weisheit zu vermitteln und somit den menschlichen Weg in die Freiheit stützend zu begleiten."
Wolfram Graf, Komponist

"Bei aller beruflich verursachten hektischen Betriebsamkeit ist für mich das Orgelspielen oft eine Quelle zur Erfrischung von Geist und Gemüt - genauso wie Johann Sebastian Bach es gesagt hat."
Helmut Schmidt, Herausgeber von "Die Zeit"

"Die Orgel ist doch in meinen Augen und Ohren der König aller Instrumente."
Wolfgang Amadeus Mozart

 

 

Impressionen

Nachfolgend einige Impressionen aus 200 Jahren - Stieffel-Orgel.

 

Aufnahmedatum unbekannt - Vor dem Kirchenumbau 1957
Foto: ekidi.de

 

Aufnahmedatum unbekannt - Vor dem Kirchenumbau 1957
Foto: ekidi.de

 

1963 - Singkreis mit Dirigent und Organist Walter Stängle vor der Orgel.
Foto: ekidi.de

  

1970 - Organist Walter Stängle beim Spielen.
Foto: ekidi.de

 

1976 - Stieffel-Orgel vor dem Umbau.
Foto: ekidi.de

  

2011 - Orgel nach der Kirchenrenovierung.
Foto: Harald Ulmer

 

2016 - Orgelansicht aus dem Kirchenschiff.
Foto: Lothar Stängle

 

Orgelspieltisch
Foto: Lothar Stängle

 

Ein Blick hinter die "Kulissen".
Foto: Lothar Stängle

 

Eine Vielzahl an Orgelpfeifen.
Foto: Lothar Stängle

 

Haben Sie noch interessante alte Aufnahmen der Dietlinger Stieffel-Orgel?
Dann melden Sie sich einfach im Pfarramt.