AnGedacht

 

Der Herr ist mit euch, weil ihr mit ihm seid;
und wenn ihr in sucht, wird er sich von euch finden lassen.
2. Chronik 15, Vers 2

 

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Homepage!

Als Krimi-Fan habe ich eine Zeit lang fast jeden Sonntagabend den Tatort geschaut. Eine Fernsehserie, bei der ein Kommissar oder eine Kommissarin, manchmal auch ein Ermittlerduo oder Team ein Verbrechen aufklären soll. Wenn die Ermittler zum Ort des Verbrechens, also zum Tatort, gerufen werden, sind meistens schon die Kolleg*innen der Spurensicherung vor Ort. In weißen Schutzanzügen stellen sie mit feinen Pinseln und Klebefolie Fingerabdrücke sicher und suchen nach Spuren, die für die weitere Aufklärung des Kriminalfalls von Bedeutung sind.

Spurensucher vergleichbarer Art sind auch die Menschen, die nach Gottes Spuren in ihrem Leben und in der Welt suchen. Im Lauf der Geschichte gab es viele beeindrucke Zeugnisse der menschlichen Spurensuche nach Gott. In der Bibel sind viele davon zusammengefasst.

 

Foto: pixabay.de

  

Die Schreiber der Psalmen zum Beispiel, die in ihren Gebeten ihre Spurensuche und deren Ergebnisse in Worte gefasst haben: Spuren von Gottes Liebe und Güte, Spuren seines Trostes, seiner Gerechtigkeit und Weisheit. Jahrhunderte später entdeckten Menschen in Jesus von Nazareth Gottes Spuren auf neue Weise. In seinem Leben, seinen Taten und in seinen Worten fanden viele damals Spuren der Liebe Gottes.

Jede Zeit lässt Menschen aufs Neue nach Gott fragen. Angesichts der Corona-Krise und ihren Auswirkungen für unsere Zeit suchen weltweit viele nach Gottes Spuren in dieser schweren Zeit. Sehr beeindruckende und berührende Spuren der Liebe Gottes finden sie und berichten davon im Internet, am Telefon, in Briefen oder bei ganz normalen Begegnungen, die in Grenzen zum Glück wieder möglich sind.

Sie alle bezeugen, dass Gott der Herr mit uns ist, wenn wir mit ihm sind. Wenn wir ihn mit hineinnehmen. Wo wir ihn suchen, wird er sich von uns finden lassen. Das hat Gott versprochen.

Welche Spuren diese Zeit in den vergangenen Wochen in unserer Gemeinde hinterlassen hat, darüber können Sie auch hier auf der Homepage lesen. Und auch davon, dass ein Holzwurm viele Spuren in unserer Kirche hinterlassen hat. Um diese zu beseitigen mussten wir für vier Wochen die Kirche schließen. 

Mögen Sie diese durch die kommende Zeit begleiten und Ihnen dazu verhelfen, auch in Ihrem Leben Spuren der Liebe Gottes zu entdecken.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sommer.

Bleiben Sie bewahrt, behütet und vor allem gesund!

Ihre Pfarrerin Martina Lieb

 

 

Spuren des Glaubens in unserer Andreaskirche

Unsere Andreaskirche ist am Ende des 15. Jahrhunderts gebaut worden, also vor der Reformation. Das heißt: In unserer Kirche wurden am Anfang katholische Gottesdienste abgehalten und noch mehr: Hier wurde der christliche Glaube in seiner katholischen Gestalt gelebt. Und das hat Spuren hinterlassen. Dazu gehören vor allem die Bilder im Eingangsbereich, die zwar beschädigt und verblasst, aber gerade noch erkennbar sind. Schauen wir uns das größte Bild etwas näher an.

Ich habe mir diesen Frauenkopf einmal ausgeliehen. Jetzt wird die Sache klarer: Das ist eine Maria, die ihren Mantel hochhebt so dass eine Gruppe von Menschen, die anscheinend Schutz suchen, darunter schlüpfen können.

 

Fotomontage: Wolfgang Raupp

 

"Schutzmantelmadonna" nennt man solche Mariendarstellungen. Sie waren vom 12. bis zum 16. Jahrhundert sehr verbreitet. Im Mittelalter gab es unter anderem für die Kirche ein Schutzmantelrecht z. B. sie durfte einem Verfolgten Zuflucht gewähren.

Davon ausgehend hat man sich in der früheren Kirche vorgestellt: Wenn die Menschen Angst haben vor dem göttlichen Richter, dürfen sie unter den Schutzmantel der Maria schlüpfen. Dort werden sie vor Gericht und Strafen bewahrt.

Damit wird klar: Das ist eine Marienfrömmigkeit, gegen die die Reformation gekämpft hat. Denn unser Erlöser ist doch Jesus Christus! Maria ist ein sündiger Mensch genau wie wir und genauso erlösungsbedürftig. Jesus Christus ist der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch. Inzwischen hat auch die katholische Kirche erklärt, der Schutz, den Maria gewähren kann, sei so zu verstehen, dass es der Würde und Wirksamkeit Christi, des einzigen Mittlers, nichts abträgt und nichts hinzufügt." (Lumen Gentium)

Außerdem sollte, wer in einer Marienfrömmigkeit lebt, aber auch wer sie kritisiert, bedenken, dass mit dem Marienbild oft nicht nur eine bestimmte Frau dargestellt werden soll, sondern ein Symbol für die Kirche.

Anscheinend hat der Maler unserer Schutzmantelmadonna zeigen wollen, wie sich für ihn dieses Problem löst. Vor Maria steht auf seinem Bild (in der Kirche) noch jemand. Er blutet aus mehreren Wunden. Das ist der leidende Christus. Maria und die Leute unter ihrem Mantel gehen hinter ihm. Dass die Kirche zum Schutzmantel wird, geschieht nicht aus menschlicher Kraft, sondern in der Nachfolge. Der leidende Christus ist es, der schützend vor seiner Kirche steht.

Das Marienbild in unserer Kirche ist dann nicht nur eine Spur einer überholten, theologisch fragwürdigen Marienfrömmigkeit, sondern eine Spur der Arbeit an überlieferten Formen des Glaubens. Ob es sich lohnt eine solche alte Spur zu pflegen und ihr zu folgen? Diese Spur hat frühere Generationen dahin geführt, wo man den eigenen Glauben in einem neuen Licht sieht. Eine Verheißung wird sichtbar: Ihr seid Kirche. Das heißt: Christus steht vor euch und beschützt euch. In dieser Geborgenheit dürft ihr als Kirche leben. Und ihr dürft und sollt auch andere unter diesen Schutzmantel der Kirche einladen.

Wolfgang Raupp

  

 

Jahreslosung 2020

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
Markus 9, Vers 24