AnGedacht

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.
Galater 5, Vers 1

 

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Website!

  

"Endlich frei!", rufen wöchentlich Schülerinnen und Schüler am Freitagnachmittag.

"Endlich frei!", sagt die Mutter, die ihre Kinder für ein paar Tage zu Oma und Opa gebracht hat.

"Endlich frei!", denkt sich der Rentner, der all seine Verpflichtungen los geworden ist, die sich Jahrzehnte mit seinem Berufsleben verbanden.

Endlich frei zu sein ist vermutlich die größte Sehnsucht des Menschen. Doch was ist das - "frei sein"? Wann bin ich wirklich frei?

Die für mich eindrücklichste Beschreibung dessen, was Freiheit bedeutet, stammt aus einem Lied, das durch die Vertonung von Rocklegende Janis Joplin in den 1970er Jahren zum Hit wurde. Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass ich nichts mehr zu verlieren habe, heißt es im Countrysong "Me and Bobby McGee".

Frei zu sein, in Freiheit leben zu können ist ein hohes Gut. Seit den philosophischen Ideen der Aufklärung bezieht sich die Freiheit auf ein selbstbestimmtes Leben. Ihr Ideal: Der Mensch unabhängig von jeglicher Bevormundung. Frei ist, wer sein Leben eigenständig und unabhängig leben kann. Ziel ist, sich von allen und allem zu befreien, was einem etwas vorgeben oder vorschreiben könnte.

Auch im christlichen Glauben spielt Freiheit eine große Rolle. Der Auszug aus Ägypten, die Befreiung des Gottesvolkes aus der Sklaverei, ist das prägende Ereignis, das im Alten Testament Glauben stiftete. Im Neuen Testament sprengt Gott die lebensfeindlichen Fesseln des Todes. Der größte Feind des Menschen ist besiegt. Leben ist stärker als alle tödlichen Mächte dieser Welt. Nach christlichem Verständnis erlangt der Mensch seine Freiheit nicht durch sich selbst, sondern durch Gott, genauer durch Christus. Freiheit lässt sich nicht mit eigenen Kräften verwirklichen. Sie ist und bleibt Geschenk. Wer Christus gewonnen hat ist zur Freiheit befreit - so heißt es bei Paulus. Diese Freiheit in Christus entsteht durch Beziehung zu ihm. Leben in Freiheit bleibt Beziehungsgeschehen.

Dass Freiheit ein zentrales Thema des Christentums ist, daran erinnern die Reformatoren. So sagt Martin Luther in seiner Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen": "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan." Und gleichzeitig: "Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."

Der Glaube hebt uns hinaus über uns selbst und diese Welt. Glaube lebt von dem Größeren, das wir mit Gott in Verbindung bringen. Daraus entsteht eine Freiheit, die nicht im Hier und Jetzt verhaftet ist, sondern die von Gott herkommt. Und aus dieser Freiheit dürfen wir als Christen leben.

Die Freiheit, die aus dem Glauben erwächst, will uns hinausheben über unsere Zweifel und Ängste, die sich zeigen in Sätzen wie: Wie stehe ich da vor den Anderen? Hoffentlich mache ich es auch richtig. Was sagen wohl Andere zu dem, was ich meine? Wem solche Gedanken durch den Kopf gehen, orientiert sich an anderen Menschen.

Christliche Freiheit fragt nicht danach, was andere sagen, sondern was von Gott her richtig ist. Damit stellt sich jemand unter Gott. Er ist damit sein Knecht. Und äußert sich freimütig. In Freimut spricht er aus, was ihm von Gott her geboten scheint. Es verlangt Mut und Aufrichtigkeit, um das Andere hineinzusagen in unsere Welt, Unpopuläres zu benennen und Gegenwind zu riskieren. Als Christen leben wir in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. Insofern können und dürfen wir für uns in Anspruch nehmen "Endlich - frei".

An weitere Grundthemen der Reformation erinnert unsere Aktion "Luther für unterwegs" an acht Sonntagen im September, Oktober und November. Am Ende unserer reformatorischen Impulse laden wir ein zu zwei Gottesdiensten: Unserem Reformationsgottesdienst am 29. Oktober mit Singkreis und Posaunenchor. Und am 5. November zum Familiengottesdienst zum Abschluss der Kinder-Bibel-Woche.

Ich lade Sie herzlich zu diesen beiden und zu allen anderen Gottesdiensten der kommenden Zeit ein und wünsche jetzt erst einmal viel Freude bei der Lektüre unserer Homepage.

Ihr Pfarrerin

Martina Lieb

  

 

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36, Vers 26